Notizen aus einem Gespräch mit Frau Asta Junghardt, Vereinsvorsitzende.

Stadtspiegel, Februar 1993

Notizen aus einem Gespräch mit Frau Asta Junghardt, Vereinsvorsitzende.

Gegründet wurde der Verein am 27.10.1990 als ein Zusammenschluss von Eltern geistig behinderter Kinder, Freunden, Fachleuten und Förderern. Die Lebenshilfe e.V. ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. Der Verein hat eine Beratungs- und Geschäftsstelle in der Gubener Straße 32, im Gebäude der Werkstatt für Behinderte, Tel. 71044
Sprechtag: Dienstag 9.00 bis 18.00 Uhr bzw. im Winter bis 16.00 Uhr
Frau Junghardt  (selbst Mutter eines behinderten Kindes)

Wir als Eltern sehen unsere Aufgabe darin, die Forderungen, die das Wohl unserer Kinder betreffen, in der Öffentlichkeit bekanntzumachen, für bessere Lebensbedingungen der Betroffenen zu sorgen, sich für ihre Rechte einzusetzen und ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ziel der Lebenshilfe ist das Wohl geistig behinderter Menschen und ihrer Familien. Sie bemüht sich, dass jeder geistig behinderte Mensch so normal wie möglich leben kann und dass ihm soviel Schutz und Hilfe zuteil wird, wie er für sich braucht. Zur Realisierung dieser anspruchsvollen Zielstellung liegt die Lösung zahlreicher Aufgaben vor uns.
Unterstützt wird der ehrenamtlich tätige Vorstand durch 2 ABM-Kräfte. Die Lebenshilfe e.V. Ortsvereinigung Eisenhüttenstadt ist 2 Jahre alt und steht erst am Anfang ihres Wirkens. In diesen Jahren haben wir aber bereits einiges bewirken können. Dazu gehören kostenlose Beratung und Rechtsbeistand für unsere Eltern mit behinderten Kindern durch die Rechtsanwältin Frau Henrich, genauso wie der Aufbau eines Vereinslebens mit gemütlichem Beisammensein, Weihnachtsfeiern, Disco-Veranstaltungen usw. 1991 gingen die Werkstatt für Behinderte und das Kinderpflegeheim in die Trägerschaft der Lebenshilfe über, was eine große Verantwortung und Herausforderung für uns darstellt.
Das Kinderpflegeheim wird zu einer, den bundesdeutschen Bedingungen entsprechenden, behinderten gerechte Wohnstätte umgebaut. Konzeptionelle Vorschläge zur Errichtung einer neuen Wohnstätte sind auch schon erarbeitet worden, dies ist auch notwendig, gibt die Realisierung dieses Vorhabens doch eine Antwort auf die bangen Fragen vieler Eltern, was mit ihrem Kind geschieht, wenn sie selbst einmal nicht mehr für ihr Kind sorgen können. Auch sollte jeder erwachsenen Behinderte die Möglichkeit erhalten, sich vom Elternhaus zu lösen eben wie andere Jugendliche auch. Dabei immer eim Auge behaltend, dass sie in größtmöglicher Gemeinschaft mit anderen Menschen leben können und nicht in Isolation.

Die Werkstatt für Behinderte ist eine anerkannte Werkstatt, was bedingt, dass die bei ihr beschäftigten Behinderten sozialversicherungpflichtig sind und damit ihre Alters- und Krankenversorgung gesichert ist. Mit den Werkstätten Guben und Frankfurt enstand der Oder-Neiße-Werkstättenverein, um die erforderliche Behindertenzahl von 120 Beschäftigten zu erreichen. Ein Neubau für die Werkstatt für Behinderte (WfB) ist ebenfalls geplant, dazu ist die Unterstützung der Kommune erforderlich, und auch die Bestätigung des Erbpachtvertrages für das Kinderpflegeheim muss endlich zum Abschluss gebracht werden, um die notwendigen Baumaßnahmen beginnen zu können.

In diesem Jahr beginnen wir, den familienentlastenden Dienst aufzubauen, das heißt einfach, den schwerbelastenden Familien Hilfe anzubieten. In Angriff genommen wird ebenfalls in Zusammenarbeit mit anderen Verantwortlichen die Errichtung einer Frühförder- und Beratungsstelle für Eltern eines behinderten oder von Behinderung bedrohten Kleinkindes.

Wie Sie sehen, für einen so kleinen Verein (ca. 50 Mitglieder) ist es ein immenses Arbeitsvolumen, die Vorstandsmitglieder investieren viel Zeit und Mühe, tun es aber gern, dient es doch einem guten Zweck und vor allem unseren Kindern. Unterstützung ideeller und finanzieller Art erhielten wir u.a. von unserem Landesvorstand, der Bundesvereinigung der Lebenshilfe mit Sitz in Marburg, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, der Lebenshilfe Saarlouis. Für die Geldspenden von Firmen wie Gäpkes & Partner, der Hamburg Mannheimer und für die vielen Sachspenden allen ein herzliches Dankeschön. Ebenfalls ein Dankeschön den Vertretern der Stadtverwaltung, wie auch dem OB, Herrn Müller, die immer ein offenes Ohr für uns hatten.

Wünschen möchte ich mir, dass unsere Bürger Vorbehalte abbauen und unsere Arbeit wohlwollend unterstützen, dass sich private Spender finden und kommunale Stellen uns helfen, die Probleme zum Wohle der Behinderten und ihrer Angehörigen zu lösen. Sollte es Menschen geben, die unser Arbeit interessiert oder die uns einfach bei der Arbeit mit Behinderten unterstützen wollen, dann können sie sich gern in der Beratungsstelle melden.